Sieht die Zukunft von Facebook nach den ersten Handelstagen wirklich so düster aus?

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Gunnar Sohn schwimmt in seinem Blogbeitrag „Facebook dominiert Social Media Marketing: Da könnten die Sterbeglöcklein von Weichert und Co. zu früh läuten“ gegen den Strom der aktuellen Facebook-IPO Debatte.

Warum kurz nach dem Börsenstart von Facebook schon die Sterbeglöcklein für den Zuckerberg-Konzern ertönen, ist nicht nachvollziehbar. Selbst die Kursrückgänge in den vergangenen Tagen sind kein Grund, in den Jammer-Chor von Bild und Co. einzustimmen. Mit was hat man denn gerechnet? Kurzfristige Rendite einheimsen in Daytrading-Zocker-Manier? Das ist doch in den vergangenen drei Jahren immer kritisiert worden.

Das Online-Magazin NeueNachricht hat mit Karl-Heinz Land von Microstrategy gesprochen, der sich über die Bewertung von Facebook wie folgt äußert:

„Ich bin ein überzeugter Langfrist-Anleger und gehe nicht davon aus, innerhalb von drei Tagen mit einer Verdopplung des Börsenwertes zu rechnen. Gegenüber dem Wall Street Journal habe ich ausgeführt, dass ich froh bin, wenn Facebook den Wert halbwegs halten kann. Es ist vor der Einführung der Aktie in der Öffentlichkeit ein gigantischer Hype produziert worden. Die Bewertung mit 100 Milliarden ist schon eine besondere Leistung. Bislang ist das trotz aller Unkenrufe für Facebook gut gelaufen. Man hat mit rund 16 Milliarden Dollar viel Geld in die Kasse bekommen und kann das jetzt in neue Geschäftsmodelle investieren. Ich sehe in der Tendenz sogar eine erhebliche Unterbewertung. Und da stehe ich nicht alleine. Zu einem ähnlichen Urteil kommt Scott Galloway von der New York Stern University. Heute stehe nur das Geschäftsmodell mit Marketing und Werbung im Vordergrund. Damit macht Facebook rund vier Milliarden Dollar Umsatz. Wenn man diese Zahl für die Börsenbewertung zugrundlegt, gelange ich nicht zu einem Wert von 100 Milliarden“.

Wofür steht eine Kursexplosion in den ersten Handelstagen? Für eine Unterbewertung des Unternehmens vor dem Börsengang, einem zu günstigen Zeichnungspreis. Die Konsortialbanken haben bei dem Facebook IPO ihre Hausaufgaben gemacht, wie auch Patrick Bernau und Martin Hock in einem Kommentar auf FAZ.net schreiben. Die Erstzeichner der Aktie wurden ausgereitzt. Solange die Investmentbanken Zeichner finden, die für den Ausgabepreis von 38$ zuschlagen, haben sie ihre Arbeit doch ausgezeichnet erledigt. Banken und Facebook sind glücklich. Es haben sich anscheinend genügend Muppets gefunden, die bereit waren diesen Preis zu zahlen, da kann man niemandem einen Vorwurf machen. Und dabei teilte Morgan Stanley kurz vor Handelsbeginn mit, dass die Anzahl der zu verkaufenden Facebook Anteilsscheine um 25% erhöht wird. Dirk Elsner beschreibt in einem Blogpost auf seinem Blick Log den Muppet Faktor des Facebook IPO als 7. Ein sehr interessanter Ansatz wie ich finde.

Bei dem Hype dabei zu sein und als einer der ersten Facebook-Anteile in der Hand zu halten wurde durch die Berichterstattung noch einmal verstärkt. Dabei wurden die Anleger wohl von der Gier und dem Gedanken getrieben, schlauer als die Konsortialbanken zu sein. Das melken der Erstzeichner und das ausgebliebene Kursfeuerwerk mussten die Banken in den ersten Handelstagen durch Stützungskäufe allerdings schon teuer bezahlen.

Einen weiteren Unterstützer findet Gunnar Sohn in dem Wirtschaftsblogger Egghat, der in seinem Beitrag „Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird“ ebenfalls von den Zukunftschancen von Facebook überzeugt ist. Zu dem relativ hohen KGV schreibt er:

Zugegeben: Die Bewertung von Facebook ist hoch. Beim erwarteten Börsenwert von etwa 100 Milliarden Dollar ergeben sich bei einem Gewinn der letzten 12 Monaten von etwa 1 Milliarden ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Das ist sehr hoch, selbst für einen Wachstumswert. Google kam 2004 allerdings ebenfalls mit einem KGV von über 100 an die Börse und wurde trotzdem eine Erfolgsgeschichte. Selbst ein Platzhirsch wie Amazon kommt aktuell auf ein KGV, das dreistellig ist.

An der Stelle arbeitet Egghat die aktuellen Zahlen auf und gibt eine mögliche Ausblick:

Der Hebel, der in all diesen Überlegungen steckt, ist hoch. Eine Verdopplung der Nutzeranzahl bis Ende 2014 (30% pro Jahr) ist realistisch. Bei den Einnahmen pro Nutzer kann man die Wachstumsrate mit 40% noch leicht höher ansetzen. 10 Dollar Einnahmen pro Nutzer sind eine konservative Schätzung, Google liegt schließlich bei 24 Dollar. Beide Wachstumsraten zusammengenommen würden sich die Gesamteinnahmen von Facebook bis Ende 2014 grob verfünffachen, das KGV wäre von 100 auf 20 geschrumpft. Und das wäre für einen unangefochtenen Marktführer wahrlich nicht zu viel, Google liegt heute in einer ähnlichen Größenordnung.

Es stellt sich also die Frage wie das Unternehmen in der Zukunft sein Geld verdient. Die genannten Ansätze von Karl-Heinz Land und Egghat sind vollkommen plausibel und beleuchten unterschiedliche Faktoren. Facebook besitzt ein riesiges Wachstumspotenzial und wenn es Mark Zuckerbergs Konzern gelingt die neuen Märkte gewinnbringend zu erschließen, dann sollte sich auch ein realistisches KGV einstellen. 16 Mrd. $ stehen durch den Börsengang für diese Aufgaben jetzt zur Verfügung.

Es bleibt also abzuwarten wie sich die Aktie langfristig entwickelt. Vielleicht werden die letzten in diesem Fall die ersten sein. Wenn der Kurs der Aktie einen soliden Boden findet und der Anfangshype verflogen ist, dann dürften auch die langfristig orientierten Anleger über einen Kauf nachdenken. Die gesamten Leerverkäufe, Short Squeezes und Stützungskäufe verhindern eine solide Kursfindung noch. 

2 Gedanken zu „Sieht die Zukunft von Facebook nach den ersten Handelstagen wirklich so düster aus?

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